Fehlgeburt

Die meisten von euch werden vielleicht schon von meiner Fehlgeburt gehört/ gelesen haben.
Ich möchte in diesen Eintrag ganz bewusst darüberschreiben, weil ich weiß, dass es vielen Ehepaaren so geht oder es ihnen vielleicht mal so gehen wird wie uns, es aber wenig darüber gesprochen wird. Vielleicht weil sich manche bewusst dafür entscheiden nicht darüber zu sprechen, es ist ja etwas sehr Persönliches. Vielleicht fühlen sich manche hilflos, weil eine Fehlgeburt immer noch ein Tabu Thema ist. Vielleicht wird der innere Schmerz noch größer, weil sie nicht darüber reden. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg mit dem Thema umzugehen. Jedes Paar darf seinen eigenen Weg wählen.
Wir haben den Weg gewählt ganz bewusst darüber zu reden. So durfte ich z.B. in einem „grow together“ Video der Liebenzeller Mission darüber berichten. Das hat Gott so eingefädelt. (Die „grow together“ Videos sind übrigens für junge Frauen sehr zu empfehlen, schaut doch mal bei YouTube auf vorbei.)
Das plötzliche und ungewollte Ende meiner Schwangerschaft fließt auch immer wieder in persönliche Gespräche mit ein. Ich hab es sogar erlebt, dass ich es mit einer Frau geteilt habe, die kurze Zeit danach das Gleiche erlebt hat. Während des Gespräches wusste ich selbst nicht, dass sie schwanger ist.
Ich bin sehr dankbar, dass wir uns dafür entschieden haben mit der Fehlgeburt offen umzugehen, denn gerade, wenn es wieder schmerzt weiß ich, dass ich mich damit an meine Familie und Freunde wenden kann.

Während der ersten Wochen der Schwangerschaft hat mich sehr herumgetrieben ob es dem Baby wohl gut geht und ob ich es ganz austragen werde. In der Schwangerschaft mit Junia ging es mir auch so, vielleicht ist das auch normal?! Mir ist wieder bewusst geworden, dass ich das ganze Schwanger werden und Schwanger bleiben nicht in der Hand hab. Immer wieder hab ich bewusst meine Hände aufgemacht und meinen Wunsch nach Kontrolle an Gott abgegeben. Hier ein paar Gedanken die ich wenige Tage vor dem Abgang aufgeschrieben habe „Meine Angst das Baby zu verlieren ist weg. Ich kann mich freuen schwanger zu sein. Mir ist klar es ist ein Geschenk das mir auch immer genommen werden kann. Ich will für das Jetzt und Hier dankbar sein: Ich wurde ein zweites Mal schwanger“

Und dann ein paar Tage später wurde uns das Geschenk genommen. Es war echt hart als mir bewusst wurde was gerade in meinem Körper passiert und ich konnte nur noch schluchzend in mein Bett kriechen. Von Einschlafen war keine Rede. Das innere Bild von mir, ein gekauert in der großen Hand Gottes hat mich ruhig werden lassen. Genau das haben wir auch die Tage danach empfunden. Getragen von Gott. Um betet von Freunden.
Genauso wie ich am Anfang der Schwangerschaft Stück für Stück realisiert habe wieder ein Kind in mir wachsen zu haben musste ich nun die Gedanken in mir Wirklichkeit werden lassen, dass diese Schwangerschaft nicht mehr besteht. Das wir dieses kleine Wesen nicht in den Armen halten werden. Kein weiteres Familienmitglied. Kein Geschwisterchen für Junia. Wie habe ich den Gedanken geliebt unsere zwei Kinder so nah beieinander zu haben. Es gab so viele Pläne, Gedanken und Vorfreuden von denen ich mich verabschieden musste.

Die Fehlgeburt ist in der Karwoche, ein paar Tage vor Ostern passiert. Gottes perfektes Timing, denn noch nie hab ich Ostern so intensiv erlebt. Plötzlich wurde Jesu härteste Woche seines Lebens auch meine härteste Woche die ich bis jetzt erlebt habe. In dem Loslassen kam mir neu die Frage was wirklich meine Hoffnung im Leben ist und für mich war klar, dass es Jesu Tod am Kreuz ist. Er alleine soll meine Hoffnung sein nicht meine Umstände. Das bedeutet für mich aber nicht, dass ich die Fehlgeburt und die damit kommende Trauer klein rede, verdränge oder verschweige. Ganz im Gegenteil ich schütte ihm meine Gedanken, mein Herz darüber aus. Verschiedene Verse in Psalm 62 haben mein Fühlen in Worte gefasst „Nur auf Gott wartet still meine Seele. Denn von ihm kommt meine Hoffnung“ und „Vertraue auf ihn allezeit, o Volk. Schüttet euer Herz vor ihm aus!“ Verrückterweise habe ich festgestellt, dass der letzte Satz genauso auch die Worte von Hanna im 1. Samuel Buch sind als sie Eli erklärt, dass sie nicht betrunken sei, sondern sie sehr traurig sei und dem HERRN ihr Herz ausgeschüttet hat. Beide Geschichten haben mit Kinderwunsch zu tun und es war so tröstend von ihrem Vertrauen auf Gott zu lesen.

Neben dem Verlust des Babys hat uns gerade in den ersten Tagen das medizinische Vorgehen sehr beschäftigt. Ja hier im Krankenhaus gibt es einen Frauenarzt, allerdings hab ich erlebt, dass ich als Patientin selbst viel Wissen mitbringen muss. So haben wir meine Hebamme als auch meine Frauenärztin kontaktiert und beide haben uns Mut gemacht das mein Körper sehr gut und gesund mit dem Abgang umgeht und sich höchstwahrscheinlich selbst heilen kann. Der Arzt hier hätte mich sofort in den OP geschoben. Wir sind so dankbar, dass wir in Deutschland so tolles Fachpersonal haben an die ich mich wenden kann, denen ich vertrauen kann. Jetzt ein halbes Jahr nach dem Abgang kommen immer wieder Gedanken hoch wie es Familien mäßig bei uns weiter geht. Ich weiß es nicht. Ich kann nur vertrauen, dass Gott es gut mit mir meint und ich kann unsere Junia anschauen, mich an ihr freuen und realisieren, dass wir jetzt schon viel mehr haben als sich manche Paare wünschen. Wir sind heute schon beschenkt, auch wenn wir uns von dem zweiten kleinen Geschenk zu früh verabschieden mussten.

Wenn du in der gleichen Situation bist wie wir und den Bedarf verspürst dich zu melden, fühl dich frei das zu tun.

P.s. Das Beitragsfoto ist ein Ultraschallbild aus der Schwangerschaft mit Junia

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